Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Expertin der frühen Kindheit (0-3 Jahre)

Nachdem ich am 9. Juni 1975 in Salzburg geboren wurde, zogen wir schon bald in ein Haus am Stadtrand. Gleich ums Eck gab es Wälder und Wiesen, Bäche und den Gaisberg. Die Landschaft war großartig zum Spielen und Toben. Heute schaut es dort immer noch gleich aus, nur der Friedhof hat sich vergrößert. Ich bin mit meiner großen Schwester, Hund, Katzen, Meerschweinchen, Hasen und im Laufe der Zeit mit fast allen Haustieren aufgewachsen. Meine Eltern hatten eine kleine Firma, die war anfangs sogar in unserem Haus einquartiert. Nach weiteren 7 Jahren kam auch mein kleiner Bruder dazu. Ich habe das Glück einer schönen Kindheit!
Mitgefühl und das Verstehen non-verbaler Ausdrucksweisen habe ich mithilfe von Tieren entwickelt. Ihr Wohlergehen war mir sehr wichtig. Ich wollte, wie viele Kinder, Tierärztin werden. Heute sehe ich eine Parallele zur frühen Kindheit, auch hier ist große Sensibilität für non-verbale Ausdrucksweisen und Einfühlungsvermögen erforderlich. Hier könnt ihr erfahren, welche Lebensstationen mich zu der gemacht haben, die ich heute bin!

Meine Eltern mit mir als Kleinkind auf einer Bank sitzend auf einem Ausflug in den Bergen. Kin in einem Tragegestell am Rücken.
meine jungen Eltern mit mir auf einem Ausflug in den Bergen
  1. 1987 – 1995: Erlebnisreiche Jugendzeit in Salzburg. Mein Fortbewegungsmittel war das Fahrrad. Mit Kassettenrekorder am Gepäcksträger. Da meine Freunde am anderen Ende der Stadt wohnten, bin ich wirklich viel mit dem Rad gefahren, was in Salzburg gut geht, weil es weitgehend flach ist. Wir haben uns die Nächte um die Ohren geschlagen, meistens in der Natur bei einem Feuerchen unter dem Sternenhimmel. Das Wichtigste war die Musik und gemeinsam Spaß zu haben. Schule war nicht annähernd so wichtig. Mit meinem ersten Auto war ich dann erst recht ständig unterwegs und habe viel draußen in der Natur unternommen.
Mädchen mit kurzen Haaren sitzt am Boden in ihrem Kinderzimmer und hat eine Zigarette im Mund
nach dem Versuch Dreadlocks zu tragen, musste ich meine Haare kurz scheren – ja, ich habe geraucht – aber mit 25 aufgehört!
  1. Mitte der 90er Jahre: Übersiedlung nach Wien. Mit ca. 19 Jahren bin ich mit meinen 2 besten Freundinnen nach Wien übersiedelt, wir hatten eine tolle Zeit in unserer WG. Ich bin auch viel herum gekommen und habe wegen all dem “das Leben feiern” erst mit 22 maturiert.
junge Frau am Steuer eines Autos mit gelben Kassettenrekorder
ich habe zwar ausgeschaut wie 12, durfte aber schon durch die USA und Mexico mit dem Auto fahren – also 19! Der obligatorische outdoor-taugliche Kassettenrekorder hat mich viele Jahre begleitet.
  1. 1997-2000: Psychologie-Studium in Salzburg. Um den Weg des geringeren Widerstands zu gehen, habe ich nicht in Wien zu studieren begonnen. Ich war weiterhin viel unterwegs und habe mein Auto als Wohnwagen benutzt. Bis zur Familiengründung im Jahre 2005 hatte ich ein Leben in absoluter Freiheit. Ich bin sehr froh, dass ich das in vollen Zügen ausgekostet habe!
jung und glücklich

Obwohl ich das neu gewonnene Leben in Wien und viele meiner Freunde vermisste, habe ich doch einige Bereicherungen in dieser Zeit zu verzeichnen:

A) Hochkarätige Dozentin: Die Pionierin der Bindungsforschung, Dr. Karin Grossmann hat ein Semester lang im Fach Entwicklungspsychologie höchst persönlich gelehrt und aus erster Hand von ihren Forschungen zur frühkindlichen Bindungsentwicklung berichtet. Darauf bin ich mächtig stolz!

B) Hospitation bei Eltern-Kind-Spiel-Gruppen: Meine Praktikumsstunden für das Psychologie Studium habe ich unter anderem bei meiner Mutter, die auch Psychologin und Psychotherapeutin ist, absolviert. Sie hat gemeinsam mit einer Kindergartenpädagogin Spielgruppen geleitet. Ihr Part war es, mit den Müttern Gespräche zu führen und sie in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken. Aufzeichnungen zufolge habe ich damals beschlossen: das möchte ich später auch machen!

C) Begegnung mit dem Buddhismus: Ein Freund hat mich zu einem Vortrag von Thich Nhat Hanh ins Bildungshaus St. Virgil mitgenommen. Das hat mich zutiefst beeindruckt und nachhaltig geprägt. Ich habe begonnen, mich mit dem Buddhismus auseinander zu setzen. Heute bin ich dankbar, dass ich Thich Nhat Hanh schon so früh persönlich erleben durfte. Er ist mein Lieblingsautor.

D) Klettern und Bergerlebnisse: Ein anderer Freund hat mich zum Klettern mitgenommen und ich war sofort Feuer und Flamme und wollte nichts anderes mehr machen. Eine Kniescheibenluxation durch einen Sturz im Vorstieg hat dieser Leidenschaft allerdings ein abruptes Ende beschert. Und mir eine mittelgroße Krise. Ich war mit einer Liegeschiene für 6 Wochen ans Bett gefesselt – und das in der besten Jahreszeit, dem Sommer!

Menschen vor der höchst gelegenen Grenzübergangshütte Österreich, die sogenannte Birnluckn zum Übergang nach Südtirol
mit den Grenzbeamten am höchsten Grenzübergang Österreichs – das war ein Erlebnis!

Klettern und Bergsteigen sind nach wie vor, neben Yoga, meine Lieblingssportarten. Für mich ist es auch ein mentales Training, bewusst und fokussiert einen Schritt nach dem anderen zu setzen.

  1. 2001: Übersiedlung nach Klagenfurt und Indienreise. Für den zweiten Studienabschnitt bin ich nach Klagenfurt gegangen. Dort war das Psychologie Studium näher an den Geisteswissenschaften und ich habe den Zweig Philosophie und Gruppendynamik gewählt. Bald hat mich die Reiselust gepackt und ich habe mich für 6 Monate nach Indien und Nepal aufgemacht. Alleine. Einfach weg. Ich wollte die Berge des Himalayas und den Buddhismus kennenlernen. Dort habe ich unter anderem an meinem ersten 10 tägigen Vipassana Schweigeretreat teilgenommen. Ich habe tiefe Dankbarkeit für mein Leben empfunden, bin beseelt von dieser Reise zurück gekehrt und habe mein Studium in Mindestzeit abgeschlossen.
    Das Thema meiner Diplomarbeit für den Magistertitel ist “Outdoor-Trainings in der Wirtschaft” oder so ähnlich.
eine junge Frau in grün gekleidet geht auf einer Schotterstraße durch ein kleines Dorf am Rande des Dschungels in Nepal
in Nepal nach einer Dschungel Safari zu Fuß
  1. 2003: Praktikum in Heidelberg und zurück nach Wien. Nach dem Studium habe ich für 6 Monate ein Praktikum in der Human Ressource Abteilung bei den Heidelberger Druckmaschinen gemacht und bin danach wieder nach Wien gezogen.
    Neuorientierung. “Was soll ich mit meinem Studienabschluss machen?” Für eine Postgraduelle Ausbildung hat mir das Geld gefehlt und “nur” als Psychologin war keine Arbeit zu finden. Also habe ich erst mal alle möglichen Jobs gemacht.
  2. 2005: Familiengründung. Auf einer Party habe ich endlich den Mann meines Lebens getroffen und wir hatten innerhalb kürzester Zeit drei Kinder. Ja, das geht, wenn die Zweiten Zwillinge sind und nur 17 Monate nach dem Ersten kommen. Bum. Das hat mich dann erst mal ein paar Jahre beschäftigt.
drei Kleinkinder spielen in einem aufblasbaren Plantschbecken, das mit Zapfen gefüllt ist
die drei Jungs beim Spielen mit Zapfen “Bockerln”
  1. 2008 – 2020: Zeit der Fortbildungen. Während die Kinder im Kindergarten waren, sowie an den Wochenenden habe ich die postgraduelle Ausbildung zur Klinischen- und Gesundheitspsychologin absolviert, ein Cambridge Certificate in Advanced Englisch gemacht und für meinen persönlichen Ausgleich an einem Jahrestraining zur Achtsamkeit und Stressbewältigung teilgenommen. In dieser Zeit habe ich 6 Monate auf der Säuglingspsychosomatik mit Schreiambulanz am Wilhelminenspital gearbeitet und viel über frühkindliche Regulationsstörungen gelernt. Eine Kindergruppe am Himmel haben wir gegründet “Die Gatschhüpfer” und uns anschließend einer Eltern-verwalteten Schule angeschlossen.
    In diesem Jahrzehnt (2010-2020) habe ich unendlich viele Seminare und Fortbildungen besucht, die mich sehr inspiriert haben. Das waren neben einschlägigen pädagogischen und psychologischen Fortbildungen zu den Themen der frühen Kindheit auch körperorientierte Therapiemethoden, Meditation und Achtsamkeitsbasierte Ansätze. Um einige zu nennen: Familylab bei Jesper Juul, SAFE bei K.H. Brisch, Gewaltfreie Kommunikation, Marte Meo, MBSR nach Jon Kabatt-Zinn, Sensory Awareness etc…
    Sie waren sowohl für mich in meiner Mutterrolle, als auch für meine Fachpersönlichkeit hilfreich und bereichernd. Ich habe neben Eltern-Kind Kursen auch Workshops zu verschiedenen Erziehungsthemen gehalten.
  2. 2010: Beginn der Ausbildung zur Pikler®-Kleinkindpädagogin in Wien und Budapest.
    Diese Ausbildung hat mich auf meinem Weg dorthin, wo ich jetzt stehe am meisten geprägt. Die Pikler-Pädagogik hat mir gezeigt, wie friedvoll und achtsam man mit Babys und Kleinkindern umgehen kann und welchen Effekt eine klare Sprache und geduldige Gesten haben können. Hier habe ich außerdem gesehen, wie all die psychologisch relevanten Theorien und Konzepte in praktischer Weise umgesetzt werden können.
    Ich habe meine laufenden Eltern-Kind-Spielgruppen immer mehr in Richtung Pikler®-SpielRaum entwickelt.
Teilnehmerinnen einer Intensiv-Woche im Lóczy, Pikler-Institut in Budapest
die ältere Dame mit weißem Mantel ist Anna Tardos, Tochter von Emmi Pikler und Leiterin der Fortbildung
  1. 2014: Ankunft viertes Kind. Als die drei Jungs 6 und 7 waren, war der Wunsch nach einem weiteren Kind groß und eigentlich sollte es dringend Mädchen-Verstärkung geben. Wir haben unseren vierten Sohn und unser erstes geplantes Kind bekommen. Bei ihm konnte ich all das erworbene Pikler-Wissen anwenden und es war einfach nur wundervoll!!
    Ich habe sehr bald wieder mit Pikler®-SpielRaum Kursen begonnen und mich selbstständig gemacht. Mit meiner Kollegin Julia Steidl habe ich zusammen im Spielraum Gersthof 6 Jahre lang gearbeitet.
3 Buben im Alter von 6-7 jahren lachen in die Kamera, zwischen ihnen ist noch ein 1 jähriger Bub
jetzt sind wir komplett – 4 Buben
  1. 2020: Diplom zur zertifizierten Pikler-Kleinkindpädagogin. Für die Abschlussarbeit zum Thema “Entspricht die Praxis der Pikler-Pädagogik dem modernen Verständnis von Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in den ersten drei Lebensjahren?” habe ich ca. 2 Jahre gebraucht, oder länger. Aber gut. Ich bin stolz drauf, eine von ca. 50 Kolleginnen zu sein, die diesen Titel in Österreich tragen darf. Es befähigt mich u.a. Einführungskurse abzuhalten und meine Arbeit als Pikler®-SpielRaum zu bezeichnen, anstatt SpielRaum nach Pikler.
  2. Heute bin ich Expertin für die frühe Kindheit und Gründerin des Spielraum Ateliers in Wien Ottakring. Ich unterrichte Entwicklungspsychologie, halte Fortbildungen zur Pikler®-Pädagogik und begleite Eltern mit all ihren Fragen.
    Ich brenne für die Themen: freie Bewegungsentwicklung, selbst-bestimmte Aktivität, beziehungsvolle Pflege, gesundes Heranwachsen, kognitive, soziale und emotionale Entwicklung in den ersten Lebensjahren. MINDFULCARE ist mein nächstes Projekt. Sei gespannt!
das Spielraum Atelier mit den typischen Klettergeräten aus Holz, hergestellt vom Spielzeugmacher Plackner, entwickelt von Emmi Pikler und ihrem Team
der Pikler-SpielRaum im Spielraum Atelier Wien erwartet seine jungen Gäste und deren Eltern